Zerstörer Z 43
Stand: 24.04.2012Ein Tauchgang an Z43 ist eine gute Gelegenheit um einen gefallenen Krieger seine letzte Ehre zu erweisen.
Das OKM (Oberkommando der Marine) erteilte am 17. Februar 1941 den entsprechenden Bauauftrag an die Werft. Nach Monaten der Planung und Vorbereitungen begann das kurze Leben des Zerstörers "Z 43" vom Typ 1936 B, am 1.Mai 1942 bei den Deschimag-Werken in Bremen mit der üblichen Kiellegung. Bereits im September 1943 lief das 127 m lange und knapp 12m breite Fahrzeug vom Stapel. Nach weiteren 7 Monaten der Ausrüstung war es dann soweit, der Zerstörer "Z 43" wurde am 24. März 1944 in Dienst gestellt und der 6. Zerstörerflottille, die zu dieser Zeit unter dem Kommando von KzS.Friedrich Kothe stand, zugeteilt. Als Kommandant wurde am 31.Mai 1944 Kapitän zur See Arthur Wenninger an Bord befohlen. Nach den erforderlichen Probefahrten, die in der Ostsee stattfanden, war der Zerstörer am 17. Oktober 1944 vorläufig nur eingeschränkt einsatzbereit.

Das Farbkleid des neu in Dienst gestellten Zerstörers war, einschließlich der Schornsteinkappen, hellgrau. Eine sog. Scheuerleiste verlief durchgehend an Backbord- und Steuerbordseite.
Als besonderes Kennzeichen soll der Zerstörer ab dem Herbst 1944 an den Seitenwänden der Brücke einen aufgemalten, abwärts springenden, schwarzen Panther geführt haben, aber dazu sagte uns ein ehemaliges Besatzungsmitglied, Zitat:
"Es gab Versuche von einigen stolzen Decksangehörigen, den Namen "Panther" durchzusetzen, aber diese Versuche blieben allesamt ohne Erfolg."
Also, es gab keinen aufgemalten Panther und der Zerstörer wurde offiziell so auch nicht genannt.

Bis zum 31.Oktober führte das Schiff zusammen mit den anderen Schiffen der 6. Zerstörer-Flottille Flottillenmanöver in der Ostsee durch. Bereits am 1. November 1944 lief Z43 nach Beendigung der Manöver wieder in Gotenhafen ein. Zwei Wochen später, also am 14. und 15. November nahm das Boot erneut an Manövern der 6. Zerstörer-Flottille teil. Vier Tage später, am 19. November schloß sich Z43 der deutschen Kampfgruppe um die Kreuzer "Prinz Eugen" und "Admiral Scheer" an. Diese Gruppe lief zur Unterstützung der Heereseinheiten, die auf der Halbinsel Sworbe in schweren Abwehrkämpfen standen, aus.
(Sworbe oder Sörve ist eine Halbinsel im Rigaischen Meerbusen an der südlichen Spitze der estnischen Insel Saaremaa). Der Verband beschoss, mit allen Kalibern, russische Stellungen und Einheiten, welche auf Sworbe auf dem Vormarsch waren. Bereits am 22. November 1944 lief Z 43 schon wieder in Gotenhafen ein, um hier Brennstoff zu bunkern und Munition zu übernehmen.

Am nächsten Tag, nachdem die Arbeiten abgeschlossen waren, lief der Zerstörer, unter Höchstfahrt, am 23. November wieder nach Sworbe zurück und setzte den Beschuss unvermindert fort. In der Nacht vom 24. auf den 25. November wurde der Beschuss der Halbinsel Sworbe beendet und der Zerstörer kehrte am 25. November nach Gotenhafen zurück.
Am Samstag, den 9. Dezember lief die 6. Z-Flottille, mit ihrem Komandeur Kpt.z.S. Kothe, aus Gotenhafen mit Z 35, Z 36, Z 43, T 23 und T 28 zunächst in Richtung Reval aus, um dort Minen für die neu zulegende Minensperre "NIL" zu übernehmen. Schon am Montag, den 11.12.1944 lief man in den frühen Morgenstunden aus um die Operation durchzuführen. Auf dem Marsch in das Operationsgebiet war es aufgrund des sehr schlechten Wetters nicht möglich, die für die Unternehmung wichtigen, genauen Positionsbestimmungen, zu ermitteln. Über Tage kein sicheres Besteck, Versetzung durch Wind und Strömung, schlechte Sicht und Seegang, dies alles zusammen hat die Kopplung erschwert. Kapt. z.S.Kothe brach die Unternehmung dennoch nicht ab. Doch am Dienstag, den 12.12.1944, gerieten beim Endanlauf zum Minenwurf Z 35 (KKpt. Bätge) und Z 36 (KKpt. Frhr. von Hausen) auf deutsche Minen der Sperre "Nilhorn II" und explodierten weithin sichtbar und sanken nordöstlich von Reval. Kapitän Wenninger brachte Z 43 durch Achterausfahrt über den Achtersteven aus der Gefahrenzone. Nachdem Beidrehen wurden alle Minen unscharf über Bord geworfen. Nur 87 Besatzungsangehörige wurden von den beiden gesunkenen Zerstörern gerettet, mehr als 540 starben. 67 von ihnen wurden in Rettungsflößen angetrieben. Sowjetische Schnellboote bargen einige Überlebende von Z 35. Von den anderen deutschen Schiffen wurden keine Minen mehr geworfen.
Durch die "Deutsche Dienststelle" (WASt) konnten wir erfahren, das zusammen 87 Seeleute der beiden Zerstörer gerettet worden sind und zwar 52 von Z 35 und 35 von Z 36. In den finnischen Schären wurden 67 Seeleute in Rettungsflößen angetrieben. Sie wurden von den Finnen gefangen genommen und am nächsten Tag an die Russen übergeben. 201 Seeleute der beiden Zerstörer, unter ihnen Kapitän zur See Kothe, ruhen auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Honkanummi, Vantaa / Finnland. Insgesamt sind auf dem Zerstörer Z 35 -262- und auf Z 36 -278- Gefallene oder Vermisste zu beklagen gewesen. Insgesamt, also rund 540 Mann, dazu kamen noch der eingeschiffte Flottillenstab. Über dessen Anzahl konnte man keine Angaben mehr gemacht.

Die Karte zeigt die eingezeichnete Minensperre "Nashorn", dieses ist allerdings falsch
da die eigentliche Sperre ""Nashorn" etwas nördlicher lag. Die hier als "Nashorn" bezeichnete
Sperre ist eigentlich die Sperre "Nilhorn II".
Angaben aus der Aktensammlung "Nil" im Bundesarchiv in Freiburg / Breisgau
Das Wissen um die wirkliche Lage der Minensperre, sowie der viel zu weit nach Norden versetzte Standort der Flottille bei Anmarsch ins Operationsgebiet ist den Kommandanten der beteiligten Schiffe viel zu spät bewusst geworden. Ein unnötiger Befehl kostete etwa 550 Soldaten der Kriegsmarine das Leben. ( Zitat aus : Tragödie im finnischen Meerbusen / Dokumentation von Udo Kraft / Sina Edition: Jever 2011 )
Die verbleibenden Boote brachen die Unternehmung darauf hin ab und liefen zurück nach Gotenhafen. Drei Tage später am 14. Dezember war "Z 43" wegen leichter schiffbaulicher Schäden und wegen des Austausches von einigen Rücklaufbremsen der 12,7-cm Geschütze drei Tage lang nicht einsatzbereit. Am Freitag, den 29. Dezember 1944 wurde "Z 43" in Gotenhafen eingedockt um das nur eingeschränkt funktionierende S-Gerät (aktives Sonargerät zum Aufspüren von Minen, später Nibelungengerät) zu reparieren um es vollständig nutzen zu können. Während der Minenoperation "Nil" wurde der Minenerkennung von Z 43 kein Glauben geschenkt. Die Weihnachtszeit und auch den Jahreswechsel 1944/45 verbrachte der Zerstörer in der Werft.

Am 16. Januar 1945 liefen "Z 43", "Z 25" und "T 4" in die Danziger Bucht zur U-Boot-Abwehr aus. Diese endete am folgenden Tag. Am 18. Januar geleiteten "Z 43" und "Z 25" das auf die Schnelle zusammengestellte Geleit, welches aus den Transportern "Preußen", "Malgache", "Bukarest" und "Wolta" bestand, nach Libau, das bereits am folgenden Tag ohne nennenswerte Vorkommnisse erreicht wurde. Am Tag darauf, geleiteten die zwei Zerstörer die Transporter "Renate", "Bukarest", "Marburg" und "MRS 11" schon wieder zurück nach Gotenhafen. Für "Z 43" folgten in den folgenden Wochen viele weitere Geleite zwischen Gotenhafen und Libau.
Am Sonntag, den 20. Februar 1945 schiffte sich auf „Z 43“, in Gotenhafen der F.d.Z., VAdm. Kreisch, ein um schon zwei Tage später sich auf Z 25 einzuschiffen, da Z43 und "T 35" nach Pillau liefen, um von dort aus, am folgenden Tag, die Samland-Küste zu beschießen um die dort kämpfenden deutschen Truppen zu entlasten. In der Nacht vom 22. auf den 23. Februar ankerten "Z 43" und "T 35" in dichtem Nebel um 2.07 Uhr dicht unter der Küste vor Pillau. Um 9.15 Uhr wurden die befohlenen Zielräume mit 500 Schuß der 12,7-cm Geschütze beschossen. Bei diesem Beschuss wurden mehrere Feuerstellungen eingenommen. Der Einsatz war dringend notwendig, um die Rote Armee daran zu hindern, die noch überaus wichtige Landverbindung nach Königsberg, zu besetzen.

Erst am Abend kehrten die beide Boote, nachdem noch knapp 1.100 Flüchtlingen in Pillau an Bord gegangen sind, nach Gotenhafen zurück. Am 26. Februar geleiteten "Z 25", "Z 43" und "T 8" das mit Flüchtlingen voll besetzte Fahrgastschiff "Hamburg" von Gotenhafen nach Saßnitz, wo das Geleit am 27. Februar unbeschädigt ankam. Anschließend übernahmen die Boote auch noch den Flak-Schutz für das Flüchtlingsschiff. Am 6. März 1945 liefen die schweren Kreuzer "Lützow" und "Admiral Scheer", beides Schiffe der Admiral Hipper Klasse; im Geleit von "Z 43" und "Z 34" sowie "T 33" und "T 23" von Gotenhafen in Richtung westliche Ostsee zu einer weiteren Operation aus. Der Verband lief aber schon am 7. März wieder in Swinemünde ein. Am 8. März verlegte "Z 43" weiter nach Kolberg. Dort beschoss der Zerstörer am 9. März Landziele und übernahm den Flak-Schutz für die vielen im Hafen liegenden Flüchtlingsschiffe. Am 15. März wurde der Zerstörer durch "Z 34" abgelöst und lief zum Brennstoff bunkern und zur Munitionsergänzung zurück nach Swinemünde. Am 17. März kehrte "Z 43" nach Kolberg zurück und nahm hier erneut den Beschuss von Landzielen auf. 
Am 18. März 1945 nahm "Z 43" letzte Truppenteile in Kolberg an Bord, denn Kolberg wurde geräumt. Am Tag darauf wurden diese Truppen allerdings in Swinemünde schon wieder an Land gesetzt und in den Kampf geworfen. Am 21. März lief "Z 43" dann nach Gotenhafen, um die schweren Kreuzer "Lützow" und "Prinz Eugen" bei deren Einsatz zur Landzielbekämpfung zu unterstützen und abzusichern. Dabei beschoss auch "Z 43" erneut russische Stellungen. Fast eine Woche später, am 28. März kehrte der Zerstörer nach Gotenhafen zurück, um hier den Flakschutz zu übernehmen. Am 30. März bekämpfte "Z 43" erneut Landziele, ebenso an den Folgetagen. Es folgte ein Kommandantenwechsel und zwar übernahm am 5. April 1945 Fregattenkapitän Carl Heinrich Lampe das Kommando von Kapitän zur See Arthur Wenninger.
Da sich mit uns das ehemalige Besatzungsmitglied Prof. Dr. Schmidt, der zu jener Zeit Kadett (Ing) auf Z 43 war, mit uns in Verbindung setzte haben wir für die folgende Zeit einen Zeitzeugen gefunden der alles selbst hautnah erlebt hat. Er erzählte uns folgendes.
Am Sonntag den 9. April 1945 ereilte auch uns, mit dem bis dahin recht glückhaften Zerstörer Z43, das Schicksal. Dabei erlitt Z43 einen Bombentreffer im Vorschiffsbereich, der Blindgänger blieb im Schornstein hängen; entscheidend war dagegen die Zerstörung der MES-Anlage (Mineneigenschutzanlage) durch den Bordwaffenbeschuss der russischen Kampfflieger. Deshalb kam es am Tag danach, so gegen 16 Uhr, ziemlich genau zum Zeitpunkt des Wachwechsels, zu einem Minentreffer, der 2 Kesselräume total zerstörte und jeweils 2 komplette Wachen tötete. Die Grundmine hatte ein Riesenloch in den Rumpf, einschließlich der Kielplatte gerissen, da passten ein oder sogar mehrere Güterwagen hinein. Wir konnten das Schiff aber halten und auf der Schleppfahrt von Hela bis Rostock wurden Vor- und Achterschiff im wesentlichen nur von den Längsträgern der Torpedorohrsätze am Oberdeck zusammengehalten. Erfolgreich war die Überfahrt nur wegen der außergewöhnlich ruhigen See. Am 13. April wurde Z43 dann in die Neptun-Werft nach Rostock verlegt, dort wurden 2 Stahlträger unter dem Rumpf verschweißt. Diese Träger sollten dem Dampfer soviel Standfestigkeit geben, dass wir von See aus die "Festung" Rostock verteidigen helfen konnten. Glücklicherweise war es möglich, die nur gering beschädigten beiden Turbinenräume und den Kesselraum1 wieder voll funktionsfähig zu machen, sodass wir uns mit eigener Kraft bis nach Warnemünde schleichen konnten, beim passieren der Warne tauchten russische Panzer auf, die dem Direktbeschuss durch die 12,7 cm zum Opfer fielen. Die "Festung" war gefallen, bevor wir die See erreichten. Wir sind danach nach Kiel gefahren und nach einer weiteren Bombennacht weiter in die Geltinger Bucht.
An dieser Stelle möchten wir uns recht herzlich für die sehr freundlichen und überaus informativen Auskünfte bei Herrn Prof. Dr. Schmidt bedanken.
Der Krieg war so gut wie zu Ende, einsatzbereit wäre der Zerstörer nicht mehr geworden, trotzdem sollte Z 43 nicht in feindliche Hände fallen.
In den Abendstunden des 3. Mai 1945, nachdem die Besatzung das Schiff geordnet verlassen hatte und sich an Land begab, wurde das einst stolze Schiff, von der eigenen Besatzung, auf der Position 54° 48,32‘ N und 009° 46,57’E gesprengt und versenkt. In den fünfziger Jahren wurde es dann durch Bergungsfirmen komplett abgewrackt. Heute liegen nur noch vereinzelte, wahrscheinlich bei der Bergung übersehene Trümmerstücke auf dem Meeresgrund, die nicht vermuten lassen, das es sich hierbei um einen einst stolzen, deutschen Zerstörer handelte.

Technische Daten
Kiellegung: 1. Mai 1942
Stapellauf: September 1943
Bauwerft: Deschimag-Werke, Bremen
Besatzung: 331 Mann
Baukosten: 13,7 Millionen Reichsmark
Verdrängung: 2.559 ts als Standartverdrängung und 3.599 ts maximal als Einsatzverdrängung
Länge über alles: 127 m
Breite: 12 m
Tiefgang: 3,83 m
Maschinenanlage: 6 Doppelend-Dampfkessel Bauart Wagner-Deschimag mit ca. 70 atü
2 Deschimag-Getriebeturbinen auf ein Rädergetriebe
Anzahl der Wellen: 2 mit 2 Propellern und 3,30m Durchmesser
Ruder : 2
Leistung an den Wellen: 70.000 WPS
Höchstgeschwindigkeit: 36 kn
Fahrbereich: 2.950 sm bei 19 kn
Bennstoffvorrat: 786 t - 825 t
Bewaffnung
Seeziel-Artillerie: 5 × 12,7 -cm-L/50 Tk C/36 in Einzellafetten mit 600 Schuß
Flak: 4, später 8 × 3,7-cm-L/83 FlaMK C/30 in Doppellafetten mit 800 Schuß
12, später 24 × 2-cm-L/65-Fla-MK C/30 (Anfangs in 6 Doppellafetten, später in Doppel- und Vierlingslafetten) mit 28000 - 32000 Schuß
Torpedos: 8 x 53,3-cm Torpedorohre in zwei Vierlingssätzen mit insgesamt 8 - 12 Torpedos
Wasserbomben: Vier Ablauframpen im Heck
Minen: max. 32 -36 Minen
Ortungsgeräte:
1 GHG (Gruppen-Horchgerät), 1 Atlas-Echolot, 1 um 160° schwenkbares Sonar, 1 FuMO 25 (GEMA FMG 39 G), 1 Feuerleit-Radar für Artillerie, 2 Funkmess-Beobachtungsgeräte (FuMB), 1 Feuerleitradar für die Flak
Falls jemand etwas mehr über dieses Wrack weiß und nähere Angaben über dieses Wrack machen kann und möchte, oder vielleicht Fotos hätte, dann wären wir sehr dankbar, wenn er sein Wissen bzw. seine Fotos z.B. per E-Mail mit uns teilen würde.
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