ImpressumBootWracksAngebotEventsLinksTippsGästebuch

Tjalk

Stand: 28.01.2010

Tjalk 54° 50,00'N und 010° 07,00'E



Leider existieren keinerlei Unterlagen oder Fotos von der Herkunft des ehemaligen Schiffes oder vom Untergang. Es ist weder der Name noch der Tag oder der Kollisiongegner bekannt.
Kurzum, das Wrack ist auch den Behörden seltsamerweise unbekannt.
Man kennt nur die Position, aber warum und seit wann es dort liegt, ist offiziell nicht bekannt.

Der Schiffstyp Tjalk

Eine etwas grössere Tjalk mit zwei Masten

Der in den Niederlanden am weitesten verbreitete Watten -, Binnen- und Küstenfrachter. Auch in Ostfriesland und Oldenburg wurde dieser Schiffstyp gebaut, und war in allen Flachwassergebieten der Nord- und Ostsee im Gebrauch.

Auch ähnliche Typen wie Beurtschip, Mutte, Otter, Pleit, Poon und Skutsje werden oft als Tjalk bezeichnet. Abwandlungen sind die Hecktjalk und die Kufftjalk. Das Wort Tjalk taucht in Holland schon im 17. Jahrhundert auf. Der Schiffstyp entstand im 18. Jahrhundert.
Tjalken sind im Schnitt 14 bis 25 m lang, sehr breit und niederig und haben einen sehr geringen Tiefgang. Der Rumpf ist ganz auf Tragfähigkeit ausgelegt, mit einem kiellosen, platten Boden, der fast bis an die Schiffsenden die volle Breite behält und annähernd ebenso breit ist wie der ganze Rumpf. Die Kimm ist in kleinem Bogen gerundet, die Seitenwände sind gerade und senkrecht über dem auffallend starken Bergholz eingezogen.

Der Bug ist sehr breit, sowohl unten als auch über dem Bergholz eingezogen und daher sehr rund. Der große Steven ist etwas gebogen und leicht fallend.
Auch das Heck ist breit und rund über dem Bergholz eingezogen und auch unter Wasser nicht spitz zulaufend, wie z.B. bei der Kuff und allen anderen tiefgehenden Schiffen, sondern löffelförmig gerundet; daher ist vor den geraden, leicht fallenden Achtersteven ein großes Totholz gesetzt.
Das Ruder hängt frei am Achtersteven und hat oft einen bemalten oder geschnitzten Kopf.
Die Tjalk hat kurze, breite Seitenschwerter, die auf oder abgefiert werden konnte, je nachdem auf welchem Bug man segelte,
meist ein oder zwei Luken und vielfach ein Deckshaus. Seegehende Tjalken haben einen deutlich stärkeren Sprung als Binnentjalken und können daher sehr tief bis zur Grenze ihrer Tragfähigkeit abgeladen werden, ohne ihre Seefähigkeit zu verlieren.

Eine liebevoll restaurierte Tjalk in der heutigen Zeit

Die Besegelung ist ziemlich klein; nur wenige Tjalken haben einen kleinen Besanmast und heißen dann "Besantjalk", in Groningen heißen sie dann "Zeetjalk", in Deutschland werden sie fälschlich oft als "Kufftjalk" bezeichnet. Meist wird aber nur ein umlegbarer Pfahlmast gefahren, der weit vorn auf etwa ein drittel der Schiffslänge steht.
Das charakteristische Tjalksegel ist ein ziemlich niederiges Gaffelsegel mit sehr kurzer, gebogener, bei deutschen Tjalken auch gerader Gaffel und sehr langem Baum.
Gewöhnlich wird auch ein Gaffeltoppsegel gesetzt. Neben dem Steven liegt ein einholbarer Bugspriet.
An Vorsegeln gibt es Stagfock und Klüver; größere Fahrzeuge führen auch Breitfock und Jager, Binnentjalken häufig nur Stagfock und Gaffelsegel. Ab 1880 wurden in Groningen und wenig später auch in Deutschland unter Beibehaltung der alten Formen, eiserne Tjalken in großer Zahl gebaut.
Auch nach dem zweiten Weltkrieg waren noch viele Tjalken, meist eisern und inzwischen mit einem Motor ausgerüstet in Fahrt. Viele endeten als Schuten und Leichter.
Noch heute sind etliche Tjalken als Wohnschiffe oder Charterjachten in Gebrauch.

Das Wrack heute:

Stb- Seite der Tjalk. Vorn am Bug begutachtet ein Taucher den SchadenDas Wrack liegt in ca. 22m Wassertiefe auf rel. festem Grund und steht auf ebenen Kiel. Der Bug zeigt in Richtung 110°.

Das Schiff ist ca 20 - 25 m lang, hatte einen Mast, der im vorderen Drittel des Rumpfes plaziert war. An Steuerbord- und Backbordseite befinden d sich die Seitenschwerter. Das Seitenschwert auf der Steuerbordseite ist abgebrochen, das auf der Backbordseite ist noch an seinem vorgesehenen Platz. Das Deckshaus, mit Metallwänden, auf dem Achterschiff gelegen, ist nur ein besserer Unterstand gewesen. Man kann von allen Seiten in das Deckshaus hineinsehen. Hinter dem Ruderhaus ist der Ruderquadrant, oder das was von ihm übrig ist zusehen. Vor dem Ruderhaus beginnt gleich der Laderaum, dieser ist zum Teil mit Sediment/Sand gefüllt.
Heckbereich der Tjalk. Deutlich erkennt man die rel.einfache Konstruktion des Ruders

Taucht man aussen auf der Steuerbordseite weiter zum Bug, so kann man deutlich erkennen, warum die Tjalk untergegangen ist.
Am Untergang muß ein anderes Fahrzeug beteiligt gewesen sein, denn man kann im Steuerbordbug der Tjalk deutlich den Abdruck eines andern Vorsteven sehen. Die Beule im Bug der Tjalk geht von kurz unterhalb der Wasserlinie bis hoch zum Schanzkleid. Durch diesen Schaden ist das, nicht durch durchgehende Querschotten gesicherte Fahrzeug, gesunken. Auf Grund der Größe des Lecks ist zu vermuten, das der Untergang relativ schnell verlief.
Der Bewuchs ist als prächtig zubezeichnen, das ganze Wrack ist dicht an dicht mit allen möglichen Ostseeunterwasserpflanzen bewachsen, das ist auf der einen Seite sehr schön, doch auf der anderen Seite lassen sich dadurch viele Sachen nur noch sehr schwer identifizieren.
Oft ist im Steuerhaus ein Schwarm von Dorschen anzutreffen.

Auf Grund der Lage des Wracks, ca. 10 nm nordnordöstlich von Damp und ca 4 nm querab von Falshöft, wirken sich starke östliche Winde als sehr ungemütlich aus. Genauso verhält es sich mit Winden, die aus Nord bzw. aus Nordwesten kommen. Empfehlenswert wäre, wie für alle ander Tauchgänge auch, eine aufblasbare Signalboje. Eine solche Boje sollte jeder Taucher mit sich führen, denn mit dieser Boje lassen sich kleine Taucherköpfe in den Wellen der Ostsee viel besser von der jeweiligen Tauchbootbesatzung wiederfinden, falls ein Taucher unerwartet abtreiben sollte.


Sidescan Sonarbild vom Wrack der -Tjalk-
Die Höhe dieses Sonarbildes stellt eine Suchbreite von 120 Meter dar. Auf der unteren Seite (Steuerbord) sind die Überreste der Tjalk auf dem Grund der Ostsee in 22 Metern Tiefe zu erkennen. Alle gescannten Objekte werfen aufgrund ihrer Größe und Form einen bestimmten Echoschatten, der wiederum Rückschlüsse auf die Höhe der Objekte zulässt. Diese Auswertungen erfolgen natürlich über die Software. Der schwarze Streifen in der Mitte entspricht der Schleppbahn unter dem Towfish, der nicht erfasst werden kann. Diese "Lücke" wird mit der systematischen Suche auf einer zweiten Suchbahn mit abgedeckt. Trotz aller Technik ist eine Menge Erfahrung im Sonarbild-Lesen nötig, denn nicht immer sind die Ergebnisse so eindeutig wie hier.



Copyright © 2002 bei Peter Klink / Alle Rechte vorbehalten

Falls jemand etwas mehr über dieses Wrack weiß und nähere Angaben über dieses Wrack machen kann und möchte, oder vielleicht Fotos hätte, dann wären wir sehr dankbar, wenn er sein Wissen bzw. seine Fotos z.B. per E-Mail mit uns teilen würde.


Die Verwendung der Texte und Abbildungen, auch auszugsweise, ohne unsere vorherige schriftliche Zustimmung verstößt gegen die Bestimmungen des Urheberrechts und ist damit rechtswidrig. Dies gilt insbesondere auch für alle Verwertungsrechte wie die Vervielfältigung, die Übersetzung oder die Verwendung in elektronischen Systemen. Auf unserer Website werden eingetragene Marken, Handelsnamen, Gebrauchsmuster und Logos verwendet. Auch wenn diese an den jeweiligen Stellen nicht als solche gekennzeichnet sind, gelten die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen.

nach oben