SHORTSterlingMKI
Stand: 01.03.201054° 45,800 N 010° 27,600E
Im Jahre 1936 suchte die britische Royal Air Force -RAF- für Ihre Staffeln einen schweren viermotorigen Bomber. In Folge dessen wurde eine Ausschreibung herausgegeben woran sich mehrere Firmen beteiligten.
Die Ausschreibung B 12.36 besagte unter anderem, dass das Flugzeug schnell zu produzieren sein müsste, es eine große Bombenlast mit hohem Tempo über große Distanzen transportieren können sollte, und es in die Flugzeughangars der RAF passen sollte. Weiterhin sollten alle zu der Zeit vorhanden Bombengrößen der RAF genutzt werden können.

Am Ende der Ausschreibung kristallisierten sich 3 Firmen, nämlich Armstrong Whitworth, Short Brothers und die Firma Supermarine heraus. Der Entwurf der Fa. Armstrong Whitworth wurde nach ersten Prüfungen abgelehnt. Die anderen beiden Firmen sollten Prototypen bauen, doch am Ende schied auch die Fa. Supermarine aus, da deren Produktionsanlagen im Vorort Woolston von Southampton, sowie auch die Prototypen des Typs 317 direkt zum Beginn der Schlacht um England 1940 durch die deutsche Luftwaffe fast vollständig zerstört wurden.
Es blieb also nur noch die Fa. Short Brothers übrig, die eigentlich ein Konzept vorstellte das gute Flugeigenschaften auch in höheren Flughöhen erlaubt hätte. Das ließ sich bei diesem Konzept allerdings nur mit einer Spannweite von etwas mehr als 34m und mit der Antriebskraft von vier "Bristol Herkules" Motoren erreichen. Es wurde auch eine Fernsteuerung für den MG Turm im hinteren Teil des Rumpfes vorgesehen.
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Eigentlich wurde die gleiche strukturelle Konstruktion wie bei den Short S25 Sunderland Flugbooten verwendet.
Der Vorschlag der Fa. Short Brothers Ltd. wurde aufgrund der zu großen Spannweite vom britischen Luftfahrtministerium abgelehnt, da die Standard Hangar Türen der RAF eine lichte Öffnungsweite von nur 30,48 m hatten. Die Konstrukteure mussten deshalb die Spannweite verkleinern, welches sich natürlich negativ auf die Flugeigenschaften auswirkte. Das Höhenleitwerk sowie auch der Flugzeugrumpf mussten grundlegend überarbeitet werden.
Um die neue Konstruktion auf Ihre aerodynamischen und auf die statischen Flugeigenschaften und auch um die neue Eigenentwicklung des Leitwerks zu testen, wurde erst ein voll flugtaugliches Holzmodell, das den Namen S 31 trug, im Maßstab 1:2 gebaut. Es wurde mit vier 90 PS (67 kW) Pobjoy Niagara III Sternmotoren ausgerüstet. Am 19. September 1938 flog dieses Modell zum ersten Mal.
Bereits am14.Mai 1939 flog der erste richtige Prototyp ( L 7600 ). Dieser verunglückte jedoch bei der Landung aufgrund eines zu schwach ausgelegten Fahrwerks. Bereits am 3. Dezember 1939 flog ein zweiter Prototyp mit der Nummer L 7605 erfolgreich.
Die erste Maschine aus der Serienfertigung flog bereits im Mai 1940 und wurde vielen Testreihen unterworfen.
Die ersten Auslieferungen an die einzelnen Squadronen begannen bereits im August 1940.
Gleich, bei den ersten ausgelieferten Maschinen, wurden die 1375 PS Bristol Herkules II Motoren der Prototypen durch 1595-PS-Hercules-XI-Sternmotoren ersetzt.
Die luftgekühlten Bristol Herkules XI Sternmotoren hatten 14 Zylinder, das heißt, dass die sieben Zylinder der hinteren Sternebene des luftgekühlten Doppelsternmotors so versetzt angeordnet waren, dass sie zwischen den sieben Zylindern des vorderen Sterns hervorschauten. Dadurch wurde auch dort ein ausreichender Kühlluftstrom erreicht.
Die Short Sterling Mk 1 war bei Ihren Besatzungen anfangs nicht beliebt, weil das Flugzeug nur mit einer sehr großen körperlichen Anstrengung geflogen werden konnte. Wenn z.B. ein Motor ausfiel, konnte die Maschine nur weiter fliegen, wenn die an Bord befindliche Bombenlast unverzüglich abgeworfen wurde. Ferner war das der erste viermotorige Bomber der RAF sodass die Besatzungen keinen Vergleich zu anderen Maschinen hatten.
Als weitere Neuerung wurde eine hydraulische Steuerung entwickelt und eingebaut. Diese sollte verhindern, dass es Probleme mit Seilzügen, wie sie in anderen Maschinen beobachtet wurden, gab. z.B. bei Nachlassen der Leistung eines Motors sollte der Differenzialschubregler ein schnelles Umverteilen der Leistung mit einer Hand ermöglichen.
Mit einer Hand an der Steuersäule und einer am Differenzialschubregler sollte der Pilot seine Flugbewegungen noch einfacher und schneller, sowie auch gefühlvoller ausführen können, dieses versprach die Wendigkeit und Geschmeidigkeit zu erhöhen. Doch leider wurde dieser Vorteil durch die Reaktionszeit der zu dieser Zeit verwendeten Vergaser der einzelnen Motoren zunichte gemacht. Die Maschinen hingen nicht so am "Gas" wie man es sich wünschte, die Drehzahlen änderten sich zu langsam. Auch konnte der Pilot schlecht fühlen, ob er "schon am Anschlag" war. Um damit gut umgehen zu können, erforderte es viel Erfahrung der einzelnen Piloten.
Abschuß südlich von Ærø/ Dk
Bei der abgeschossenen Maschine handelt es sich um die Maschine mit der Nummer W 7615 und der Kennung HA-M. Sie gehörte der 218. Squadron der RAF, die zu der Zeit unter der Führung von Wing Commander P.D. HOLDER stand an. Seinen Heimatflughafen hatte das Flugzeug in Downham Market / Grafschaft Norfolk / GBR.
Es gehörte zu einer Serie von 30 Sterling MK I Flugzeugen die die Nummern W 7610 bis W 7639 trugen. Diese Serie wiederum gehörte zu einer Gesamtbestellung von 150 Short S 29 Sterling MK I Maschinen. Gemäß dem Vertrag mit der Nummer B 982939 / 39 wurden die Maschinen durch die Austin Motors Ltd. zwischen Juli 1942 und September 1942 ausgeliefert. Die Maschine mit der Nr. W 7615 wurde am 29. Juli 1942 an die 218. Squadron geliefert.
In der Nacht vom 20. zum 21. August 1942 sollten durch Maschinen der 218. Squadron, die im britischen Downham Market, Norfolk, gestartet waren, Minen im Bereich der Kieler Bucht gelegt werden. Im Zuge dieser Operation mit dem Namen „Airborne 2025 Gardening“ gingen 4 Maschinen der 218. Squadronen verloren. Das waren neben der Maschine W 7615 die Maschinen mit den Nummern BF319, BF 338 und W 7573.

Die knapp 3 Wochen alte Maschine W 7615 wurde in einem kurzen, aber heftigen Luftkampf, südlich der dänischen Insel Aerö, von einem deutschen Nachtjäger, vom Typ Junkers JU 88, am 20.August 1942 um 23:46 Uhr abgeschossen. Die Maschine fiel brennend ins Meer. Alle Besatzungsmitglieder kamen bei dem Abschuss ums Leben. Es wurden keine Fallschirme gesichtet.
Von der Besatzung, die aus 7 Soldaten bestand konnten nur drei Mann tot geborgen werden:
Flightsergant Stanley Edgar Stevens - Beobachter - begraben auf dem Friedhof von Aabenraa in der Reihe 13 liegt sein Grab. Er wurde 21 Jahre alt. Die Nr. seiner Erkennungsmarke lautete 1 27 05 12
Sergeant Eric Nettelton - Funker - begraben auf dem Kieler Soldatenfriedhof
Grab 4.C.6 Er wurde 23 Jahre alt.
Sergeant Hiley Rhys Davis -Bombenschütze - begraben auf dem Soldatenfriedhof in Odense
Grab BD.380 Er wurde 22 Jahre alt. Die Nr. seiner Erkennungsmarke lautete 655 121
Alle anderen Besatzungsmitglieder
Pilot Officer George McAuley, (21 ) -Pilot - Träger des D.F.C. (DISTINGUISHED FLYING CROSS)
Sgt. George Leonard Arthur Neales, (28) - Flugingenieur -
Flightsergant Brian William Roberts, - Funker -
Sergeant Albert Edward Burkitt -Richtschütze -
konnten bis heute leider nicht geborgen werden. Ihnen wird ein ehrendes Andenken bewahrt in der
Air Force Gedenkstätte, Runnymede Memorial, in der Nähe von Egham, Surrey, England.
Das Wrack heute
Der Rumpf und die Tragflächen sind bei dem Absturz stark zerstört worden. Nur 3 der 4 Motoren ließen sich am Wrack finden. Die großen Sternmotoren sind sehr stark bewachsen und wenn man nicht weiß was man sieht, kann man sie nicht als Motor identifizieren. Mindestens zwei der großen 3-blättrigen Propeller befinden sich noch an ihrem Platz.
Das Material aus dem riesigen Propeller hergestellt wurden, scheint auch Jahrzehnte nach dem Absturz noch dem Salzwasser zu trotzen. Bei unserem letzten Tauchgang am Wrack, im Jahre 2004, waren die Oberflächen, trotz des starken Bewuchses noch sehr gut erhalten
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Im Sommer '93 sollten von den dänischen Behörden die am Wrack vermuteten Fliegerbomben bzw. Minen gesprengt werden. Es wurden aber zum Glück keine gefunden, wahrscheinlich weil die Maschine Ihren Auftrag schon erfüllt hatte, stattdessen hat man aber einen Propeller abmontiert.
Teile des Fahrgestells lassen sich auch heute noch finden. Aufgrund der Zerstörungen durch den Abschuss an sich und dem darauffolgenden Aufschlag auf die Wasseroberfläche ist das Wrack stark zerstört und es ist nicht leicht die Wrackteile im Kopf wieder zu einem Flugzeug zusammenzufügen
Falls jemand etwas mehr über dieses Wrack weiß und nähere Angaben machen kann oder möchte, oder vielleicht Fotos hätte, wären wir sehr dankbar, wenn er sein Wissen bzw. seine Fotos z.B. per E-Mail mit uns teilen würde.
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