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Nordland

Stand: 27.10.2011

54° 29,00'N und 009° 58,00'E

Artillerieschulschiff "Niels Juel" / DK

Dank des Computers hat sich das ehemalige Besatzungsmitglied, Erich Schaal, der trotz seines hohen Alters von 84 Jahren sich immer noch mit der Materie Internet beschäftigt, sich mit uns in Verbindung gesetzt und uns einen Teil seines persönlichen Tagebuchs, das er zu seiner Zeit auf der Nordland anfertigte, zur Verfügung gestellt.
Hierfür möchten wir uns an dieser Stelle bei Herrn Schaal herzlich bedanken.

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In den letzten Tagen meldete sich bei uns das ehemalige Besatzungsmitglied  Wolfgang Eichstaedt (83) persönlich, welches bei der Überfahrt der Nordland nach Kiel krank im Lazarett der Nordland lag und erzählte uns ein Teil seiner Geschichte.
Wenige Tage vorher meldete sich bei uns auch eines der damaligen Flüchtlingskinder, die auch bei der Überfahrt an Bord der Nordland waren. Herr Lueck berichtete uns wie sich die Flucht damals, in seinen Kinderaugen, abspielte. Bei beiden Herren möchten wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken.

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Die Nordland gehört mit zu den größten Wracks, in der Kieler Bucht. Sie hatte eine Länge von 89,95 m (zwischen den Loten 87,00 m) und war knapp 16,30 m breit. Sie verdrängte rund 3400 - 3800 t. je nach Ausrüstungszustand

Es gibt aber ein Problem, 1952/53 wurde sie durch die dänische Bergungsfirma EM. Z. Svitzer / Kopenhagen gekauft und durch die Hamburger Bugsier Reederrei- und Bergungsgesellschaft bzw. durch die Firma Eisen und Metall KG Hamburg zum größten Teil unter  Wasser abgewrackt.


Leichter Kreuzer Niels Juel

Die "Nordland" hieß, als sie 03. Juli 1918 für die dänische Marine, in der königlichen Marine Werft / Kopenhagen, vom Stapel gelassen wurde " Niels Juel". Sie sollte als Leichter Kreuzer bzw. als Küstenpanzer der dänischen Flotte dienen. Die Arbeiten am Schiff zogen sich über viele Jahre dahin. Der Kiel wurde schon im Jahre 1911 gelegt, abgeliefert an die Flotte wurde es aber erst im Jahre 1923.

 

Mitglied im dänischen Folketing

(dänisches Parlament)Kommandant, Commander s.g. Carl Westermann

Der 49-jährige Kapitän Carl Westermann, späterer Kommandeur, kannte sein Schiff gut. Er war in mehreren Zeitabschnitten Kommandant und 2. Kommandant auf der " Niels Juel" und hatte eine mehrjährige Erfahrung als Torpedobootskommandant. Carl Westermann war seit 1933 Mitglied im dän. Folketing und wurde 1943 zum 2. Vorsitzenden des dän. Folketing  gewählt. Zu  Beginn des 29. August 1943 kam ein klares "Nein" von der dänischen Regierung zu einer weiteren Zusammenarbeit in Verbindung mit den hohen Forderungen die die  deutsche Besatzungsmacht stellte. Deswegen könnte es fast als symbolisch angesehen werden, dass der Kampf zwischen Niels Juel und dem deutschen Militär auf dänischer Seite von dem 2. Vorsitzenden des Folketing , Carl Westermann geführt wurde.




Im Laufe des August 1943 wuchs die Spannung zwischen der deutschen Besatzungsmacht und der dänischen Bevölkerung auf ein für die deutschen Behörden unerträgliches Maß. Nicht nur in der Bevölkerung war die Spannung und der Gedanke an einen Cup gegen die deutsche Wehrmacht zu merken, auch die vielen Sabotageakte des organisierten Widerstandes trugen zum weiteren Vorgehen der deutschen Behörden bei.

Vizeadmiral A.H. Vedel hatte schon am 30. Mai 1943 Befehle, die das weitere Vorgehen der dänischen Kommandanten im Falle einer feindlichen Übernahme regeln sollten, für die dänischen Schiffe herausgegeben. Am Freitag, den 27. August wurde verstärkte Bereitschaft befohlen. Am Samstag, den 28. August bekam Carl Westermann Informationen über die politische Situation im Land vom Amtmann in Holbaek. Der Kapitän ließ die Besatzung an Deck antreten und informierte sie über die Situation. Es wurde befohlen, das es keinen Landgang für die Mannschaft mehr gab. Der Kapitän teilte später mit, dass die dänische Regierung auf alle deutschen Forderungen nicht eingegangen ist. Gegen Mittag kam eine Depesche von der dänischen Marineführung. Darin wurde mitgeteilt, dass für alles weitere, Befehle direkt von der Regierung kommen sollten.

Operation Safari

In Kopenhagen sanken das Küstenpanzerschiff  "Peder Skram", die U-Boote "Havhesten", "Havkalen", "Havfruen", "Havmanden", "Daphne", "Dryaden", "Rota", "Flora", "Bellona", der Tender "Henrik Gerner", die Minensucher "Söbjörnen", "Söulven", "Söhunden", die Patrouillen-(ehem. T-)Boote "Hvalrossen", "Saelen", "Nordkaperen", "Makrelen", "Narhvalen" sowie die Minenleger "Kvintus", "Sixtus", "Lossen" und "Lindormen". Das Fischereischutzschiff "Ingolf" versenkte sich im Großen Belt selbst, ebenso die "Heimdall" und "Freja" in Kopenhagen. Im Ulvsund wurde das Patrouillenboot "Havörnen" gesprengt.

Aufgrund dieser Unruhen in der dänischen Bevölkerung, der Selbstversenkung der dänischen Flotte, der Versenkung des in der Ausrüstung befindlichen deutschen Minenlegers "Linz" in Kopenhagen durch die Widerstandsbewegung ( 27.08.1943), und der Unzufriedenheit der Deutschen mit der Unfähigkeit der dänischen Regierung Ruhe im Land zu schaffen, verhängten die deutschen Behörden jetzt den militärischen Ausnahmezustand. Dieser Ausnahmezustand wurde ausgerufen, weil die dän. Regierung die dt. Forderung abgelehnt hat, ihrerseits den Ausnahmezustand zu erklären, sowie Schnellgerichte und die Todesstrafe für Saboteure einzuführen. Als Folge dessen tritt die dänische Regierung zurück und das Militär und die Polizei werden entwaffnet.

Die Deutschen begannen deshalb eine Operation zu planen, die Ruhe im Land schaffen und die Versorgung sichern sollte. Diese Operation bekam den Codenamen "Safari". Während die deutsche Besatzungsmacht ihren Eingriff plante, hatte die dänische Marineführung schon im Mai des Jahres 1943 Verhaltensregeln für die dänischen Schiffe befohlen. Diese Befehle sollten verhindern, dass ein dänisches Schiff in deutsche Hände fiel. Die deutsche Operation sollte am 29. August, morgens um 2:45 beginnen. In Nyborg, Korsör und Kalundborg werden die Besatzungen dän. Schiffe z. T. mit Waffengewalt überwältigt und u. a. die Minensucher Sölöven, Söridderen, Söhesten und die Patrouillenboote Springeren und Hajen besetzt.


Niels Juel, der leichte Kreuzer bzw. Küstenpanzer war das Flaggschiff in der dänischen Flotte und befand sich im August 1943 auf einer Übungsfahrt im Isefjord. Nachdem der Kreutzer unbestätigte Meldungen über die Vernichtung der dänischen Flotte durch die deutsche Besatzungsmacht empfangen hatte, bekam der 49 Jahre alte, dänische Kommandant, Commander s.g. Carl Westermann, um 04:20 Uhr, am 29.8.1943 den Befehl neutrale, schwedische Gewässer aufzusuchen. Das Schiff befand sich zu diesem Zeitpunkt, vor Anker liegend, im Hafen von Holbæk.

Aufgrund der schlechten Wetterlage und den starken nördlichen Winden war es für die "Niels Juel" sehr schwer den schützenden Ankerplatz im Hafen zuverlassen. Das "Anker auf" Manöver wurde unterstützt durch den dänischen Marinekutter P 37 , einem kleinen Schlepper und einer schiffseigenen Motorbarkasse. 

Beim Auslaufen aus dem Hafen von Holbæk wurde die "Niels Juel" schon von einem deutschen Aufklärungsflugzeug gesichtet, das die genaue Position unverzüglich an das zuständige Oberkommando weitermeldete.



Niels Juel mit dänischer Flagge am Bug
Sofort stiegen deutsche Jäger und Bomber auf um das Schiff noch vor den schwedischen Gewässern abzufangen.
Auf der "Niels Juel" wurde der Kriegsmarschverschlußzustand befohlen und die Besatzung machte sich und das Schiff gefechtsklar. Alle Geschütze und Flakwaffen wurden aufmunitioniert und besetzt, wasserdichte Schotten geschlossen, Lazarette klar gemacht und, und, und. Die Moral an Bord war trotz des nahenden Kampfes gut. Man wollte das Schiff auf keinen Fall in deutsche Hände fallen lassen.
Ihr Frühstück nahm die Besatzung auf Ihren Gefechtsstationen ein, während "Niels Juel" mit Volldampf auf allen Kesseln, und einer daraus resultierenden Geschwindigkeit von 14 - 15 Knoten, nordwärts dampfte.
Als "Niels Juel" Lynæs Sand südlich passierte hatte, konnte man auf der Brücke drei deutsche Schiffe ausmachen. Ein größeres und zwei kleinere Fahrzeuge. Alle waren mit einen Tarnanstrich versehen und ca. 10nm entfernt.
Als "NJ" Hundestedt passierte, erhielt man vom Hafen, per Blinkspruch, eine Meldung, das sich im nördlichen Teil des Fjords ein von den deutschen ausgelegtes Minenfeld befand.

Der deutsche Angriff begann, als die "Niels Juel" den Isefjord verlassen wollte.
Die Deutschen beschlossen die "Niels Juel" zu stoppen, bevor sie die neutralen schwedischen Gewässer erreichen konnte.

Der erste Angriff eines Sturzkampfbombers vom Typ JU 87 D begann um 08:55 Uhr. Das Flugzeug griff das Schiff mit seinen Bomben an, die ca. 30 m von der Bordwand auf Steuerbordseite detonierten.
Die Explosionen waren so heftig, dass kurzzeitig das gesamte Licht an Bord von "NJ" ausfiel.
Commander Westermann wertete diesen Angriff nur als Demonstration deutscher Stärke. Er ließ sich nicht einschüchtern, änderte aus taktischen Gründen den Kurs, und lief nach Süden ab. Die Ju 87 griff erneut an, aber diesmal nur noch mit ihren Bordkanonen. Die Flakgeschütze der "NJ" erwiderten das Feuer und landeten einen Treffer  in der rechten Tragfläche des Bombers, der daraufhin abstürzte.

Noch beim Auslaufen aus Holbæk erhielt die Funkbude von "NJ" den Befehl, das, wenn der erste Schuß von Bord von "NJ" abgegeben wird, sofort und auf allen Stationen, per Schiffslautsprecheranlage, die dänische Nationalhymne "Kong Christian" zuhören sein müsse.

Nachdem die JU 87 abgeschossen war, befahl der Kommandant der "NJ" den Flakwaffen das Feuer einzustellen.

Explosion einer der Fliegerbomben neben Niels Juel auf Bb-Seite

Zwischen 09:10 und 09:20 Uhr griffen deutsche Flugzeuge zum zweiten Mal an, aber diesmal nur mit Bordwaffen. Das Schiff wurde zwar oft getroffen aber es entstanden keinen größeren Schäden.

Um 09:35 Uhr fand ein weiterer Angriff statt und dessen Bomben explodierten in ca. 10 m Entfernung auf der Backbordseite des Schiffes. Der Schiffsrumpf war leider unterhalb der Wasserlinie völlig ungepanzert. Er wurde 1914 auf Kiel gelegt. Zu dieser Zeit dachte noch niemand daran, das ein solch großes Schiff von Flugzeugen aus angegriffen wird. Das Schiff machte einen großen Satz. Die Explosionen waren so heftig, das "NJ" schwer beschädigt wurde. Die gesamte Stromversorgung, inklusive der Notstromversorgung brach zusammen. Daraufhin fielen auch die gesamten Feuerleitanlagen und Navigationsanlagen aus. Das Schiff war praktisch wehrlos.
Unbestätigte Meldungen von Land sagten aus, das ein weiters Flugzeug auf Grund des Abwehrfeuers von "NJ" abgeschossen worden ist.

Während des Luftangriffs gingen die Besatzungsmitglieder der ungepanzerten Flakwaffen in Deckung um vor Bombensplittern und Schrapnells geschützt zu sein.

Lage des Wracks der Nordland ex. Niels JuelFünf Mann der Besatzung wurden durch Bombensplitter und Holzsplitter des eigenen Holzdecks verwundet.
Einer der verwundeten, Artillerie Quartermaster H.E. Andeasen, wurde in den Bauch getroffen. Er starb zwei Tage später.
Die anderen vier Verwundeten waren, Decks Quartermaster V.V Jørgensen, er wurde im Gesicht durch einen Bombensplitter verletzt, und die Artilleriekadetten J. Mortensen, J. Jeppesen und O. Petersen.
Commander s.g. Carl Petersen erkennt die fast ausweglose Lage und stellt fest, daß er die schwedischen Gewässer nicht unbeschadet erreichen konnte. Er tat das einzig ihm noch mögliche.
Er befiehlt um 10:48 Uhr " FULL AHEAD".
Mit ca. 15 Knoten, und Kurs auf die Küste bei Anne-Bjerggaard, südlich von Nykøbing/Sjælland, steuert er die "Niels Juel" auf Grund. Es gab einen mächtigen Aufprall, trotzdem wurde das Unterwasserschiff im Vorschiffsbereich nur leicht beschädigt. Wasser drang in das totgeweihte Schiff. Es wurde die beiden Buganker geworfen. Die deutschen Flieger, die über Niels Juel gekreist waren, flogen jetzt weg, da sie glaubten, das Schiff hätte geankert und die Aufforderung zum Stoppen befolgt.
Die Besatzung brachte die Verletzten ins Lazarett nach Nyköping und begann sofort mit der weiteren Zerstörung des Schiffs. Sprenglandungen wurden an wichtigen Stellen zu Explosion gebracht . Die Munitionskammern wurden geflutet und in den nächsten Stunden wurden alle wichtigen und noch brauchbaren Dinge, wie z.B. Feuerleitanlagen, Geschützverschlüsse, Maschinenteile und viele andere Dinge von Bord ins Wasser geworfen.

Am nächsten Morgen kamen um 05:20 Uhr zwei deutsche Torpedoboote längseits und schwer bewaffnete, deutsche Soldaten enterten an Bord und übernahmen sofort das Kommando über das schwer beschädigte Schiff. Die Besatzung wurde entwaffnet jedoch durften die Offiziere, nach kurzen Verhandlungen, Ihre Säbel behalten.

Schon am Tage nach der Grundsetzung beauftragten die Deutschen die dänische Bergungsfirma A/S EM. z.Svitzer die Niels Juel zu untersuchen. Das Bergungsschiff "GRAM" kam schon am 31.August längseits und an den nächsten 4 Tagen wurde  das Wrack von Tauchern eingehend untersucht. Sie konnten jedoch schon am ersten Tage einen groben Bericht über den Zustand des Schiffes abliefern. Der Zustand wurde wie folgt beschrieben: An der Backbordseite, neben dem Maschinenraum sind unter dem Panzerdeck ein paar kleine Beulen und Dellen sowie fehlen Nieten und Schrauben an einigen Panzerplatten. Sonst gibt es keine sichtbaren Schäden an den Seiten, Stäben, Schrauben und Rohren sowie Schlingerkielen. Das Schiff steht im Sandboden und ist ca. 2 Fuß in den Sandboden eingesunken. Das Wasser steht vom Bug bis Achtern ca. 4-5 Fuß unter dem Panzerdeck. Die Taucher sagten auch, das rund um das Schiff Teile der Geschützverschlüsse, Munition und allerlei andere Sachen lagen, die die Besatzung außenbords geworfen hatte. Nachdem die Taucher Ihren Bericht an Svitzer geschickt hatten bekamen sie Bescheid zu warten, während die Firma Svitzer versuchte mit den deutschen Behörden einen Bergungskontrakt auszuhandeln. Aus welchem Grund auch immer konnte man sich nicht einigen, und deshalb bargen die Deutschen das Schiff selbst. Die Bergung wurde im Oktober 1943 durchgeführt, Danach wurde Niels Juel direkt nach Kiel geschleppt wo das Schiff notdürftig repariert wurde.

Es wurden große Teile der Bewaffnug ausgetauscht (die rund 18 Tonnen schweren, 15cm Geschütze, die Ihre  ca. 60 Kg schweren Granten rund 18 Km weit schießen konnten,  wurden im Atlantikwall, dort genau bei der Küstenverteidigung  in der "Sperrbatterie Friedrichshafen" (Bangebro Fortet) eingesetzt). Als Ersatz wurden drei,  durch die veränderte Luftherrschaft im U-Bootkrieg, die nicht mehr  auf den Front U-Booten benötigten U-Bootgeschütze vom Kaliber 10,5 cm sowie  vier 3,7 cm und acht 2 cm Flakgeschütze eingebaut. Niels Juel wurde auf den Namen " Nordland" umgetauft und  ab September 1944 als Schulschiff und schwimmende Flakbatterie in der Kriegsmarine eingesetzt. Als Stammbesatzung dienten knapp 200 Mann, die rund 400 Kadetten ausbilden sollten.  

15 cmSchiffsgeschütz der Nordland ex: Niels Juel in der "Sperrbatterie Friedrichshafen" im Bangebro FortetDie letzten Monate des Krieges lag das Schiff im Hafen von Stolpmünde / Pommern (heute Ustka / PL) . Seefahrten wurden in dieser Zeit keine unternommen. Als man Mitte Februar 1945 endlich 'gen Westen auslaufen wollte, stellte man fest, daß das Schiff auf Grund aufsaß. Durch den 137 km langen Fluß Stolpe, welcher in der Kaschubischen Schweiz seinen Ursprung hat, wurde viel Sand in den Hafen von Stolpmünde eingeschwemmt. Dadurch, und durch den vielen Verkehr im Hafen, ist dieser  Liegeplatz wohl versandet. Aus diesem Grunde war der Nordland das Auslaufen aus eigener Kraft aus Stolpmünde unmöglich. Erst am Sonntag, den 18.Februar 1945 konnte das Schiff, seine Fahrt nach Kiel antreten, nachdem herbeigerufene Schlepper das Schiff freigeschleppt und in tieferes Wasser gezogen hatten. 

Da der Flüchtlingsstrom 'gen Westen nicht abriss und es keine andere Möglichkeit mehr gab, als den Seeweg zur Flucht vor der Roten Armee, war auch die Nordland,  zusätzlich zu den knapp 200 Mann Besatzung, mit  rund 500 Flüchtlingen die in Richtung Westen wollten, beladen. Auch eine Mutter und Ihre Schwester mit zusammen 7 Kindern waren an Bord. Eines dieser Kinder hat zu uns Kontakt aufgenommen und erzählt:


Wir müssen am 15. 02. 1945 an Bord gegangen sein, denn meinen Geburtstag am 16. 02. "feierte" ich auf dem Schiff, das ist sicher. Der 16. fiel auf einen Freitag. Bei uns wird erzählt, dass wir an dem Tag nicht ausgelaufen sind, weil Seeleute den Freitag dafür nicht schätzen. Es gibt wirklich reichlich Aberglauben, aber eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass so was im Kriege noch berücksichtigt wurde. Am 17. hieß es, feindliche U-Boote wären in der Nähe, also kein Auslaufen. Meine Mutter nutzte die Gelegenheit und radelte zurück nach Wintershagen, wo wir die letzten 2 Monate gelebt hatten, um eine vergessene Strickjacke zu holen. Währenddessen machte die "Nordland" sich doch klar zum Auslaufen, weil offensichtlich die Gefahr durch U-Boote vorüber war. Glücklicherweise wurde die Freigabe zurückgenommen. Wer weiß, ob wir andernfalls unsere Mutter je wiedergesehen hätten. Wegen einer Strickjacke! Es war wohl ihre Lieblingsjacke, sie hat die Jacke noch viele Jahre getragen.
Am 18. ging es dann wirklich los.
Von Laboe sind wir `49 nach Preetz gezogen. Einmal im Jahr fuhren wir nach Hohwacht, weil es dort so ähnlich war wie in der Heimat. Da saßen die Eltern dann an der Küste und heulten. Erst am Ende der 50' er hörte das auf.

Zwei Tage dauerte der Marsch Richtung Kiel, alles verlief reibungslos. In Kiel machte das Schiff an einer Pier nahe der Friedrichsorter Marineanlagen, dem Grauen Schloß am Meer, wie diese Anlagen im Marinejargon hießen, fest. Der Dienst an Bord ging dann normal weiter bis zum 03.05.1945, es war einer der schwärzesten Tage der deutschen Kriegs- und Handelsmarine, unzählige Schiffe wurden beschädigt oder versenkt. Viele Menschen verloren an diesem Kriegstag, der einer der letzten war, noch ihr Leben. Am frühen Vormittag, wurde vom deutschen Kommandanten der Nordland der Befehl zum Seeklar machen und zur Selbstversenkung bekannt gegeben, demnach sollten wir nach Eckernförde fahren dort alle Besatzungsmitglieder bis auf wenige Soldaten der Stammbesatzung das Schiff verlassen und mit gepackter Ausrüstung in der Torpedoversuchsanstalt (TVA),in Eckernförde-Süd; antreten. Von dort aus konnte man das letztmalige Auslaufen des Schiffes beobachten. In der Nähe der heutigen Tonne 5a der Torpedoschießbahn, stoppten die Maschinen ein letztes Mal . Der letzte Rest der Besatzung verließ nun das Schiff, es wurden alle Sprengladungen, die im Schiff angebracht worden waren, scharf gemacht und gezündet. Kurze Zeit später erzitterte das Schiff leicht und trat seine letzte Reise zum Grund der Eckernförder Bucht an.


Diese Angaben wurden uns von einem ehemaligen Besatzungsmitglied, dessen Name und Adresse uns bekannt sind, und welches zu dieser Zeit an Bord war , und das alles miterlebt hat bestätigt.

Nach dem Kriege

Das auf dem Grund der Eckernförder Bucht liegende Schiff wurde laut NfS 44/46 im Jahre 1946 durch die englische Besatzungsmacht lokalisiert  und die Wrackstelle durch zwei kleine rote Spierentonnen gekennzeichnet. Im Mai 1947 wurde dann auf der Wrackstelle gemäß NfS 980/47eine grüne Tonne mit einem Trommeltoppzeichen in der Nähe der Wrackmitte ausgelegt. Allerdings wurde die dänische Regierung aus irgendwelchen Gründen nicht informiert sodaß nach dem Ende des Krieges niemand in der dänischen Flotte wußte was mit  Niels Juel seit Oktober 1943 geschehen war. Die dänische Marineführung war daher sehr überrascht, als die Kopenhagener Firma Svitzer sie im März 1951 kontaktierte um näheres zu den Möglicheiten einer Bergung zu erfahren. Svitzer selbst wurde von der deutschen Firma Bugsier-, Reederei und Bergungs-Aktiengesellschaft / Hamburg kontaktiert. Sie hatten Svitzer die Position in der Eckernförder Bucht mitgeteilt und meinten, das eine Bergung unter bestimmten Voraussetzungen möglich wäre. Sie baten Svitzer gleichzeitig Kontakt zur dänischen Marine herzustellen um eine Möglichkeit  zur Bergung zu besprechen. In dem ersten Schreiben von Svitzer an die dänische Marine schrieb die Firma das eine Bergung ab dem 1. Mai 1951 möglich wäre. Dieses sollte sich allerdings als sehr optimistisch herausstellen.

Bevor eine Bergung jedoch beginnen konnte, mußten erst die Eigentumsrechte an dem Schiff geklärt werden. Es wurden Verhandlungen mit der englischen Besatzungs- macht in Norddeutschland geführt. Diese meinten, da das Schiff gegen die Alliierten eingesetzt worden sei, habe Sie ein Anrecht auf das Schiff und die Dänen meinten das Schiff wurde von den Deutschen sich wiederrechtlich angeeignet. Nach zähen Verhandlungen einigte man sich darauf, daß das Schiff dänisches Eigentum ist. Jetzt konnte die dänische Marine Verhandlungen mit den Interessenten aufnehmen.  Ein gutes Angebot kam auch von der Firma EM.Z.Svitzer / Kopenhagen. Die Firma bot an, das Schiff zu heben und in einem fahrbereiten Zustand an die Dänische Marine zu übergeben. Svitzer erwartete einen Wert des Schiffes von 7 - 800.000 DM, aber dieses Angebot war nicht sehr realistisch, da es abgeben wurde bevor der vollständige Zustand des Schiffes bekannt war.

Die Abwrackarbeiten begannen im März 1952 und wurden von dem Bergungsschiff „Pakistan“  vorgenommen. Taucher der Bergungsfirma fanden das Schiff in einer Tiefe von rund 27 m vor. Niemand war überrascht das Wrack auf der Steuerbordseite liegend mit einer Schlagseite von mehr als 45° vorzufinden. Es war ca. 7-8m in den schlammigen Grund eingesunken so daß eine Bergung des gesamten Wracks in einem Stück aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten eigentlich nicht gerechtfertigt  war. Nach weiteren Untersuchungen der deutschen Firma Bugsier teilte man im April 1951 mit das eine Bergung das Risiko nicht Wert wäre. Stattdessen schlug man ein Abwracken unter Wasser durch Taucher vor. Wenn diese Lösung allerdings gewählt werden sollte, ist der Preis von 100.000 DKr für die Bergungsrechte zu hoch. Man bat die FA. Svitzer den Preis runterzuhandeln.

Zu diesem Zeitpunkt herrschte auch, wie in ganz Europa, in Dänemark Stahlmangel. In Zusammenarbeit mit dem dän. Wirtschaftsministerium wurde beschlossen, das ein Großteil des Stahls an Dänemark geliefert werden sollte um dort eingeschmolzen und weiterverarbeitet zu werden. Der Vertag wurde am 19.März1952 geschlossen. Svitzer bezahlte 30.000DKr für die Bergungsrechte an dem Wrack. Man verpflichtete sich gleichzeitig das Wrack innerhalb von 18 Monaten zu bergen. Weiterhin sollten 1050 Tonnen Stahlschrott die Tonne zu 250 Dkr. an das Stahlwerk in Frederiksvaerk geliefert werden.

Die langen Verhandlungen führten allerdings dazu das die deutsche Firma Bugsier kalte Füße bekam und aus dem Projekt ausstieg. Man befürchtet, das die Bergung durch die steigende Inflation in Deutschland eine verlustreiche Angelegenheit werden könnte. Das Risiko bzw. die Verpflichtungen der Hamburger Firma Bugsier übernahm allerdings die deutsche Firma Eisen und Metall KG / Hamburg. Diese wrackte das Wrack unterwasser ab indem es stückweise auseinander gesprengt wurde und die abgesprengten Teile mit einem Kran gehoben wurden, auf Prähme geladen wurden, an Land in handliche Stücke geschntten wurden und weiterverarbeitet wurden. Die Firma Eisen und Metall KG Hamburg  erfüllte die Maßgaben und verdiente noch ein wenig Geld.


Technische Daten:                                                                                          Yarrow Kessel Schema                                                           
Typ: Leichter Kreuzer / Küstenpanzerschiff
Bauwerft:königlicheMarinewerftKopenhagen

Kiellegung: 1914
Stapellauf: 3. Juli 1918
Indienststellung: 23. Mai 1923
Außerdienststellung: 30.August 1943
Deplacement: 3400 Tonnen
Länge: 89,95 m
Breite: 16,30 m
Tiefgang: 5,20 m
Besatzungsstärke: 329 Mann

Antriebsleistung: 5500 PS

8 Öl- und kohlebefeuerte Yarrow Kesselanlagen

vertikale 3-fach- Expansionsdampfmaschine auf zwei Wellen

Die Reichweite betrug ca. 6000 sm bei einer Fahrtstufe von 9 Kn

Bewaffnung unter dänischem Kommando:

10 X 15 cm, 4 X 57mm Flak, 2 x 45 cm Torpedorohrsätze

Bewaffung unter deutschem Kommando:

3 x 10,5 cm S.KC32 U-Bootgeschütze, 2 x 2cm Vierling, 3 x 3,7 cm , 2 x 2cm in Doppellaffette.

Geschwindigkeit: 16 Knoten

Die "Nordland" heute

Von dem Schiff als solches ist nicht mehr viel zuerkennen. Das Schiff wurde von der Bergungsfirma quasi unterhalb der Wasserlinie aufgeschnitten. Alles was oberhalb dieser Linie lag wurde entfernt, so daß vielleicht nur noch der Kiel und Teile des Rumpfes bis in ca. 3m Höhe existieren. Fast alles ist aus dem Rumpf entfernt worden. Von den Maschinen angefangen bis zum letzten Spind aus den Unterkünften. Vereinzelt liegen noch Poller, Bullaugen, Klüsen und ähnliches am Meeresgrund.

Der Grund, auf dem die "Nordland" in maximal 28 m Wassertiefe ruht, ist sehr schlammig, daher Vorsicht mit den Flossenschlägen, die Sicht ist sehr schnell verdorben.
Die Wrackteile sind sehr stark bewachsen und in diesem Bewuchs hält sich auch eine Vielfalt von Tieren auf. Man sollte auch auf die kleinsten Details achten, es lohnt sich.
Eine Lampe sollte man schon auf Grund der Tiefe auf jedenfall mitführen um auch einmal in die vielen Löcher schauen zu können.

Zwei Tauchgänge mit Druckluft an einem Tag könnten an diesem Wrack schwierig werden, wenn man die Nullzeit nicht überschreiten will.
Tauchschiffe fahren die "Nordland" nur selten an, wenn, dann nur wenn sie auf Grund der Wetterbedingungen Schutz unter Land suchen müssen, oder wenn Tauchschulen es wünschen, man kann dort sehr gut Tieftauchgänge schulen.

Copyright © 2002 bei Peter Klink / Alle Rechte vorbehalten

Falls jemand etwas mehr über dieses Wrack weiß und nähere Angaben über dieses Wrack machen kann und möchte, oder vielleicht Fotos hätte, dann wären wir sehr dankbar, wenn er sein Wissen bzw. seine Fotos z.B. per E-Mail mit uns teilen würde.


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