Ewer Hans
Stand: 05.02.201054° 50,000 N und 009° 48,00 E
Das Wrack, ein sog. Lastenewer, ist leider auf Grund der langen Zeit unter Wasser schon stark zerstört, trotzdem lassen sich, auch heute noch, schöne und teilweise individuelle Details finden. Der Seenelkenbewuchs ist auch in diesem Jahr wieder als sehr schön zu bezeichnen. Auch viele Grundeln treiben sich am Wrack herum und haben ihre Heimat zwischen der Ladung, die aus Briketts besteht gefunden.
Leider hatten wir im Oktober 2005 relativ schlechte Sicht über dem Boden, somit war die Orientierung nicht immer einfach.
Der Mast des Wracks liegt nach Backbord, der Rumpf steht aufrecht. Der Grund ist bei 27 m erreicht und die Wrackhöhe beträgt immer noch ca. 3m. Die Länge des Wracks ist mit ca. 30 Meter anzunehmen. Die Ladung Briketts, ist wie auf den Fotos von Sven Gust gut zu sehen ist, noch fast vollständig erhalten bzw vorhanden.
Dummerweise ist die Sicht oft leider nur als mäßig zu bezeichnen. Die Position des Wracks liegt außer bei Ostwind gut in relativen Landschutz.Der Ewer -Hans aus Bogoe-, so der Name des Bootes, hatte eine Verdrängung von rund 31 BRT, gebaut wurde -Hans- aus Eiche im Jahre 1897.
-Hans- war auf der Reise von Flensburg nach Horsens/DK mit fast 60 Tonnen Brikett. Am 31.03.1929 verließ der Ewer Hans um 07:00 Uhr, bugsiert von einem Motorschoner, Flensburg.
Im Laufe des Vormittags drehte der Wind von SW nach W/NW und frischte zum Sturm auf. Als die Schiffe ca. 2 Seemeilen nördlich der Untiefe Helts Banke waren, warf der Schlepper die Leinen los und -Hans- steuerte mit gerefftem Großsegel und Stagfock unter Land und suchte dort Schutz in Lee. Als sich das Fahrzeug ca. 1 Seemeile nördlich der Untiefe befand, legte es sich plötzlich auf die Seite.
Man entdeckte einen starken Wassereinbruch im Achterschiff, trotz sofort eingeleiteter Leckabwehrmaßnahmen stieg der Wasserstand immer weiter. Trotz stetigen lenzens drang immer mehr Wasser ein, sodaß das Schiff nicht mehr zu halten war.Die 2 Mann der Besatzung gingen daraufhin in das mitgeführte Rettungsboot und kurz darauf, ca. gegen 13:30 Uhr sank der einst stolze Frachtsegler.
Das Rettungsboot, mit seiner Besatzung landete einige Stunden später am Tag bei Oesterby auf der Halbinsel Kegnaes. Es wurde vermutet, daß sich eine Planke am Achterschiff durch den Seegangseinflüsse löste und damit den Untergang auslöste.
Die Herkunft der Brikettladung:Hergestellt wurden sie vor mehr als 70 Jahren in der -Waldauer Braunkohlen Industrie Aktien Gesellschaft- zu Waldau bei Osterfeld, Bezirk Halle a.d. Saale, also praktisch einem Vor- Vorgänger der heutigen Braunkohle GmbH.
Da die Briketts den Prägestempel des Herstellers "Waldau" tragen, nennen die Dänen das Wrack oft auch "Hans Waldau".
Die Hans ist sicherlich nicht so spektakulär wie S-103 und auch nicht so schön bewachsen wie die Sophie, aber dafür schlägt sie aber einen geschichtlichen Bogen von der Zeit ihres Untergangs bis heute.
Vielen Dank an Sven Gust und Wolfgang Gaßmann für diesen aufschlußreichen Bericht!
Was ist ein EWER
Ein Ewer (vermulich vom holl. envarer = Einfahrer, was auf eine ursprüngliche Ein-Mann-Besatzung hindeutet) ist ein kleinerer, aus Friesland stammender, Segelschifftyp mit einem oder zwei Masten. Mit einem Mast ist es ein -Giekewer-, bei dem Typ mit zwei Masten handelt es sich genauer um einen Eineinhalbmaster, bei dem der hintere Mast deutlich kürzer als der vordere ist, ein sog. Besanewer.
Typische Merkmale sind der flache Boden (Plattbodenschiff) und häufig Seitenschwerter, mit denen die Abdrift verringert wird.Ein Schiffstyp mit der Bezeichnung -Ewer- ist seit dem Mittelalter bekannt, eine erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1252. Ab etwa 1800 fanden sie vor allem im Gebiet der Elbe Verbreitung und wurden im 19. Jahrhundert zu der in Deutschland am häufigsten eingesetzten Schiffsklasse. Sie wurden besonders als Frachtschiffe in der Küsten- und Flussschifffahrt genutzt, teilweise auch als Fischereifahrzeug.
Die Takelage ist üblicherweise eine Gaffeltakelung, ergänzt durch Vorsegel: Fock- und Klüversegel. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Ewer häufig zusätzlich mit Motoren ausgerüstet.
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